Zwischen Gänsehaut und Augenzwinkern - John Dowland ganz neu

Zwischen Gänsehaut und Augenzwinkern - John Dowland ganz neu

Zwischen Gänsehaut und Augenzwinkern - John Dowland ganz neu

# Kirchenmusik

Zwischen Gänsehaut und Augenzwinkern - John Dowland ganz neu

Von Alexander Hermelink

Ein Saxofon, ein Klavier und Musik, die seit mehr als 400 Jahren Menschen berührt – das klingt zunächst nach einem eher melancholischen Abend. Doch was Peter Dahm und Thomas Rückert am Freitag in der Auferstehungskirche am Kurpark auf die Bühne brachten, war weit mehr: ein Wechselbad der Gefühle, voller musikalischer Überraschungen, leiser Töne und überraschend viel Humor. Das Publikum war begeistert und dankte den beiden Musikern am Ende mit Standing Ovations.

Draußen hatte die Sonne tagsüber noch einmal alles gegeben, doch am Abend kündigten die kühlen Temperaturen bereits den Herbst an. Kreiskantor József Opicz griff die Stimmung in seiner Begrüßung auf und stimmte die Gäste auf ein Jazzkonzert ein, das perfekt zu diesem Jahreszeitenwechsel passte.

© 2026 Alexander Hermelink

Im Mittelpunkt stand John Dowland (1563–1626), einer der bedeutendsten Komponisten der englischen Renaissance. Der Bremer Saxofonist Peter Dahm und der Kölner Pianist Thomas Rückert haben sich intensiv mit seinen Liedern auseinandergesetzt. Ihr im Dezember 2025 erschienenes Album „Flow My Tears“ bildet die Grundlage des Programms: Die beiden wollten Dowlands Musik nicht einfach in ein modernes Jazzgewand stecken, sondern verstehen, was in ihr steckt – und herausfinden, wie sie heute klingen kann.

Das Ergebnis war vom ersten Ton an faszinierend. Das Saxofon schien zu erzählen, das Klavier griff die Gedanken auf, widersprach, ergänzte und führte sie weiter. Mal klang das Zusammenspiel beinahe zerbrechlich, mal pulsierte es vor Energie. Und immer wieder war zu spüren, wie gut sich die beiden Musiker verstehen. Hier musste niemand dem anderen erklären, wohin die musikalische Reise gehen sollte.

Dass es bei aller musikalischen Tiefe auch locker zugehen darf, bewiesen die beiden mit ihren Geschichten und Moderationen. Peter Dahm war mit der Bahn angereist und hatte den sonnigen Tag im Oeynhausener Kurpark genossen. Thomas Rückert dagegen hatte sich mit dem Auto durch den Verkehr gekämpft – schließlich brauchte er für den nächsten Tag ein E-Piano, was man schwer mit der Bahn transportieren kann. Bei „Shall I Sue“ wurde es rhythmisch ungewöhnlich: Das Stück kam im Siebenachteltakt daher und brachte ordentlich Bewegung in die Kirche. Rückert kommentierte das augenzwinkernd mit dem Hinweis, die Musik sei auch für Menschen mit Beckenschiefstand gut zu tanzen. Seine Erklärung brachte das Publikum zum Lachen: „Die Melodien und Titel sind so traurig, da muss man zwischendurch Witze machen.“

Doch die heiteren Momente machten die ernsten nicht weniger intensiv. Im Gegenteil: Gerade die Kontraste verliehen dem Konzert seine besondere Spannung. Bei „Unquiet Thoughts“ wurde die innere Unruhe, von der Dowlands Musik erzählt, beinahe greifbar. Nach dem lebhafteren „Shall I Sue“ folgte ein Moment tiefster Melancholie. Plötzlich war es mucksmäuschenstill. Kein Husten, kein Rascheln – nur das Klavierspiel und das leise, fast gesungene Saxofon. Man konnte förmlich hören, wie viel Gefühl in diesen Bearbeitungen stecken.

Der emotionale Höhepunkt war natürlich das titelgebende „Flow My Tears“. Thomas Rückert erzählte, dass ihn besonders der Moment berühre, in dem Tränen fließen dürfen. Nicht unbedingt das, was dazu geführt hat, sondern die Möglichkeit, Gefühle einfach zuzulassen. Darin fühle er sich John Dowland verbunden. Als die beiden Musiker das Stück spielten, wurde aus dieser persönlichen Bemerkung Musik: intensiv, tiefgründig und berührend, ohne jemals sentimental zu wirken. Auch „Mourn, Mourn, Day Is with Darkness Fled“ führte in dunklere Klangwelten. Die Verbindung von Dowlands Musik mit indischen Einflüssen schlug dabei einen Bogen zu Mahatma Gandhi und seiner Vision eines friedlichen Zusammenlebens der Religionen und Kulturen. So wurde aus dem Konzert auch ein Plädoyer dafür, Unterschiede nicht als Trennendes, sondern als Bereicherung zu verstehen.

Mit „Behold a Wonder Here“ bekam der Abend zum Schluss noch einmal Schwung. Schließlich gab es Standing Ovations – und natürlich eine Zugabe. Dahm und Rückert waren ihrerseits voll des Lobes für die Akustik der Auferstehungskirche. Sie bedankten sich herzlich bei der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde für die Einladung. Für die beiden sei es beinahe wie Weihnachten, wenn jemand sie für ein Konzert anfrage. Nach dem Konzert ging der Abend entspannt weiter: Der Freundeskreis Kirchenmusik lud zum traditionellen Glas Wein ein und viele Gäste nutzten die Gelegenheit, mit den Musikern ins Gespräch zu kommen. Dabei war immer wieder zu hören, dass man die beiden unbedingt noch einmal erleben müsse. Und wer gesehen hatte, wie virtuos Rückert über die Tasten flog und wie präzise sich beide Musiker musikalisch ergänzten, konnte das gut verstehen.

„Flow My Tears“ hat alte Musik nicht einfach aufgewärmt, sondern ihr neues Leben eingehaucht. Peter Dahm und Thomas Rückert verbanden musikalische Neugier mit großem Respekt vor John Dowland – und schufen einen Konzertabend, der gleichermaßen zum Schmunzeln, Staunen und Innehalten einlud. Ein bisschen Herbstmelancholie durfte dabei sein. Vor allem aber blieb das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben.

Text und Bilder: 2026 Alexander Hermelink


  

Eine CD mit allen gespielten Titeln ist erhältlich:

© 2026 Peter Dahm/ Thomas Rückert

John Dowland, Flow My Tears
Piano: Thomas Rückert
Saxophon: Peter Dahm

CD-Bestellung
oder EMail Peter Dahm
oder EMail Thomas Rückert

Wenn Sie ein Konzert dieser beiden Musiker buchen möchten, wenden Sie sich bitte an eine der beiden oberen EMail-Adressen.


Leichte Sprache

Von Alexander Hermelink

Zwischen Gänsehaut und Lachen: John Dowland neu erleben

Peter Dahm und Thomas Rückert begeistern mit ihrem Konzert in der Auferstehungskirche am Kurpark.

Am Freitag gab es ein besonderes Konzert in der Auferstehungskirche am Kurpark.

Peter Dahm spielte Saxofon. Thomas Rückert spielte Klavier.

Die beiden Musiker spielten Musik von John Dowland. Er lebte vor mehr als 400 Jahren. Seine Musik ist oft traurig und nachdenklich.

Doch das Konzert war nicht nur traurig. Es gab auch fröhliche Momente und viel zu lachen.

Das Publikum war begeistert. Am Ende standen die Gäste auf und klatschten lange. Das nennt man Standing Ovations.

Ein Konzert passend zum Herbst

Am Tag schien noch einmal die Sonne. Am Abend wurde es schon kühl.

Kreiskantor József Opicz begrüßte die Gäste. Er freute sich auf das Jazzkonzert.

Die Musik passte gut zur Stimmung im Herbst. Sie war ruhig, gefühlvoll und manchmal lebhaft.

Alte Musik klingt heute neu

John Dowland lebte von 1563 bis 1626. Er war ein berühmter Komponist aus England.

Ein Komponist ist ein Mensch, der Musikstücke schreibt.

Peter Dahm kommt aus Bremen. Er spielt Saxofon. Thomas Rückert kommt aus Köln. Er spielt Klavier.

Die beiden Musiker haben sich lange mit Dowlands Musik beschäftigt.

Im Dezember 2025 erschien ihr gemeinsames Album. Es heißt „Flow My Tears“.

Die Musiker wollten die alte Musik nicht einfach nur verändern. Sie wollten herausfinden, was die Musik ihnen heute sagen kann.

Das gelang ihnen sehr gut.

Das Saxofon klang manchmal wie eine Stimme, die eine Geschichte erzählt. Das Klavier antwortete darauf.

Mal war die Musik ganz leise. Mal war sie voller Kraft und Energie.

Man merkte: Die beiden Musiker verstehen sich sehr gut. Sie spielten aufmerksam zusammen.

Musik mit Humor

Zwischen den Musikstücken erzählten die Musiker kleine Geschichten.

Peter Dahm war mit dem Zug angereist. Er hatte den sonnigen Tag im Kurpark von Bad Oeynhausen genossen.

Thomas Rückert war mit dem Auto gekommen. Er musste am nächsten Tag ein E-Piano transportieren. Das wäre mit dem Zug schwierig gewesen.

Bei einem Musikstück wurde es besonders spannend. Das Stück hieß „Shall I Sue“.

Die Musik hatte einen ungewöhnlichen Rhythmus. Die Musiker spielten im Siebenachteltakt. Das bedeutet: Ein Takt hat sieben Achtel-Schläge.

Thomas Rückert machte dazu einen Scherz. Er sagte, man könne zu dieser Musik auch mit einem schiefen Becken gut tanzen.

Das Publikum lachte.

Rückert erklärte auch, warum er gerne Witze erzählt:

„Die Melodien und Titel sind so traurig, da muss man zwischendurch Witze machen.“

Musik, die tief berührt

Doch es gab auch sehr ernste Momente.

Bei dem Stück „Unquiet Thoughts“ ging es um innere Unruhe. Das bedeutet: Ein Mensch findet in seinen Gedanken keine Ruhe.

Die Musik machte dieses Gefühl spürbar.

Danach spielten die Musiker wieder sehr ruhig. Das Publikum war ganz still.

Man hörte nur das Klavier und das leise Saxofon.

Die Musik war voller Gefühl. Viele Menschen konnten sich davon berühren lassen.

Der Höhepunkt des Abends

Besonders wichtig war das Stück „Flow My Tears“. Es gab dem Konzert auch seinen Namen.

Vor dem Stück erzählte Thomas Rückert von seinen eigenen Gefühlen.

Er findet es wichtig, Tränen zuzulassen. Manchmal tut es gut, traurig zu sein und zu weinen.

Es geht dabei nicht nur darum, warum man traurig ist. Es geht auch darum, Gefühle zeigen zu dürfen.

Damit fühlte sich Rückert dem Komponisten John Dowland nahe.

Als die beiden Musiker das Stück spielten, wurde diese Idee hörbar. Die Musik war tief und bewegend. Sie wirkte aber nie übertrieben traurig.

Auch das Stück „Mourn, Mourn, Day Is with Darkness Fled“ führte in eine dunkle und nachdenkliche Stimmung.

In der Musik gab es auch Einflüsse aus Indien.

Das erinnerte an Mahatma Gandhi. Er setzte sich für Frieden und ein gutes Zusammenleben ein.

Die Botschaft war: Menschen aus verschiedenen Religionen und Kulturen können friedlich zusammenleben. Unterschiede müssen uns nicht trennen. Sie können unser Leben bereichern.

Begeisterung bis zum Schluss

Zum Ende spielten Dahm und Rückert das Stück „Behold a Wonder Here“.

Damit bekam das Konzert noch einmal Schwung.

Das Publikum war begeistert. Die Gäste standen auf und klatschten lange. Die Musiker spielten deshalb noch eine Zugabe.

Auch die beiden Musiker waren glücklich. Sie lobten die gute Akustik in der Kirche. Das bedeutet: Die Musik war dort besonders gut zu hören.

Sie bedankten sich bei der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde für die Einladung.

Für die Musiker ist eine Einladung zu einem Konzert etwas ganz Besonderes. Sie verglichen die Freude darüber mit Weihnachten.

Nach dem Konzert lud der Freundeskreis Kirchenmusik zu einem Glas Wein ein.

Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, mit den Musikern zu sprechen. Dabei sagten viele: Wir möchten die beiden gerne wieder hören!

Das war gut zu verstehen. Thomas Rückert spielte sehr geschickt und schnell auf dem Klavier. Peter Dahm ergänzte ihn mit seinem Saxofon. Beide passten musikalisch wunderbar zusammen.

Ein besonderer Abend

Peter Dahm und Thomas Rückert haben alte Musik neu zum Leben erweckt.

Sie gingen mit viel Respekt und Neugier an die Musik von John Dowland heran.

So entstand ein Konzert mit vielen verschiedenen Gefühlen.

Die Gäste konnten lachen, staunen und in Ruhe nachdenken.

Ein wenig Herbst-Melancholie gehörte dazu. Das bedeutet: eine sanfte Traurigkeit, die gut zum Herbst passt.

Vor allem aber blieb bei vielen Gästen das Gefühl:

Das war ein ganz besonderer Abend.

Text und Bilder: 2026 Alexander Hermelink


Englisch

By Alexander Hermelink

Between Goosebumps and a Wink: John Dowland Reimagined

Peter Dahm and Thomas Rückert captivate audiences with “Flow My Tears” at the Church of the Resurrection in the Kurpark

A saxophone, a piano, and music that has moved people for more than 400 years — at first glance, this might sound like an evening of melancholy. But what Peter Dahm and Thomas Rückert brought to the stage on Friday at the Church of the Resurrection in the Kurpark was so much more: an emotional journey full of musical surprises, delicate sounds, and a surprising amount of humor. The audience was enthralled and rewarded the two musicians with a standing ovation at the end.

Outside, the sun had given it one last glorious performance during the day, but by evening, the cooler temperatures were already heralding the arrival of autumn. In his welcoming remarks, district cantor József Opicz picked up on the mood and prepared the audience for a jazz concert perfectly suited to this seasonal transition.

At the heart of the program was John Dowland (1563–1626), one of the most important composers of the English Renaissance. Bremen-based saxophonist Peter Dahm and Cologne-based pianist Thomas Rückert have explored his songs in depth. Their album Flow My Tears, released in December 2025, forms the foundation of the program. The two musicians did not want simply to dress Dowland’s music in a modern jazz outfit. Instead, they wanted to understand what lay within it — and discover how it might sound today.

The result was fascinating from the very first note. The saxophone seemed to tell a story, while the piano picked up its thoughts, challenged them, complemented them, and carried them forward. At times, their interplay sounded almost fragile; at others, it pulsed with energy. And throughout the evening, it was clear just how well the two musicians understood one another. Neither needed to explain to the other where the musical journey should lead.

Their stories and introductions also showed that musical depth and a relaxed atmosphere can go hand in hand. Peter Dahm had traveled by train and enjoyed the sunny day in Bad Oeynhausen’s Kurpark. Thomas Rückert, by contrast, had battled his way through traffic by car — after all, he needed an electric piano for the following day, something that is not easy to transport by train. With “Shall I Sue,” the rhythm took an unusual turn: the piece was written in seven-eight time, bringing plenty of movement into the church. Rückert jokingly remarked that the music was also easy to dance to for people with pelvic misalignment. His explanation had the audience laughing: “The melodies and titles are so sad that you have to tell a few jokes in between.”

Yet the humorous moments did nothing to diminish the intensity of the more serious ones. On the contrary, it was precisely these contrasts that gave the concert its special tension. In “Unquiet Thoughts,” the inner turmoil conveyed by Dowland’s music became almost tangible. After the more lively “Shall I Sue” came a moment of profound melancholy. Suddenly, the church fell completely silent. Not a cough, not a rustle — only the piano and the soft, almost sung tones of the saxophone. One could practically hear how much emotion had gone into these arrangements.

Naturally, the emotional climax was the title piece, “Flow My Tears.” Thomas Rückert explained that he was particularly moved by the moment when tears are allowed to flow. Not necessarily by whatever caused them, but by the opportunity simply to let one’s feelings emerge. In this respect, he felt a connection with John Dowland. When the two musicians performed the piece, his personal reflection was transformed into music: intense, profound, and deeply moving, without ever becoming sentimental.

“Mourn, Mourn, Day Is with Darkness Fled” also led the audience into darker sonic landscapes. The fusion of Dowland’s music with Indian influences created a bridge to Mahatma Gandhi and his vision of peaceful coexistence among religions and cultures. The concert thus became an appeal to see differences not as sources of division, but as opportunities for enrichment.

With “Behold a Wonder Here,” the evening gained fresh momentum toward its conclusion. The audience responded with a standing ovation — and, of course, an encore. Dahm and Rückert, for their part, praised the acoustics of the Church of the Resurrection. They warmly thanked the Evangelical Emmaus Church Community for the invitation. For the two musicians, receiving an invitation to perform a concert is almost like Christmas.

After the concert, the evening continued in a relaxed atmosphere. The Friends of Church Music association invited guests to share the traditional glass of wine, and many took the opportunity to talk with the musicians. Again and again, people could be heard saying that they absolutely had to experience the two performers live once more. Anyone who had witnessed Rückert’s virtuoso fingers flying across the keys and the precision with which the musicians complemented one another could easily understand why.

Flow My Tears did not simply revive old music; it breathed new life into it. Peter Dahm and Thomas Rückert combined musical curiosity with profound respect for John Dowland, creating a concert evening that invited the audience to smile, marvel, and pause for reflection in equal measure. A touch of autumn melancholy was certainly welcome. Above all, however, the evening left everyone with the feeling that they had experienced something truly special.

Text and pictures: 2026  Alexander Hermelink

Dies könnte Sie auch interessieren

Evangelische Emmaus-Kirchengemeinde

Kaiserstr. 26, 32545 Bad Oeynhausen

   +49 5731 92849

Kontakt

Haben Sie Anregungen, Lob, Kritik?

Schreiben Sie uns gerne...

Anregungen
Impressum
Datenschutz